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 Gleiswendel
Bei meiner ehemaligen Anlage "Bad Knüsselsdorf" mußte ein Höhenunterschied von 30cm zwischen Bahnhof und Schattenbahnhof überwunden werden. Dazu kam nur eine Gleiswendel in Frage.
 
Der Platz für die Wendel war vorgegeben, mehr als ein Radius von 50cm war nicht unterzubringen. Obwohl ich sonst Flexgleise verwende, wählte ich hier fertig vorgebogenes Gleis und wählte ROCO-Line R4 (r=48,1cm). Die lichte Höhe zwischen zwei Gängen der Wendel sollte inklusive Gleis ca. 7cm betragen. Bei einer Trassendicke von 16mm ergab sich dann eine Höhendifferenz von gut 9cm pro Umlauf, insgesamt also eine Steigung von ungefähr 3%. Die Trassenbretter waren 10cm breit, damit rechts und links neben dem Gleis genügend Platz für die Gewindestangen blieb.
 Ein paar Abmessungen ...
7cm lichte Höhe reichen bei der Verwendung von Kunststoffgleis sogar für Oberleitungsbetrieb. Natürlich können keine Masten gesetzt werden, aber ein Gleisprofil an der Trassenunteseite sollte für den sicheren Betrieb genügen. Andererseits sollten 7cm tunlichst nicht unterschritten werden. Es lassen sich zwar beim Dampf- und Dieselbetrieb noch 10-15mm "herauskitzeln", aber dann wird es sehr eng, falls man eines Tages entgleiste Fahrzeuge wieder auf die Schiene setzen möchte. Bei der Dicke der Trassenbretter lassen sich vielleicht noch 5mm einsparen
 
Hier ein paar Beispiele für die resultierenden Steigungen bei unterschiedlichen Abmessungen, die Radien entsprechen dabei dem ROCO-Line Programm
 
Lichte Höhe Trassendicke R2=35,8cm R3=42,0cm R4=48,1cm R5=54,3cm R6=60,4cm
7cm 1,6cm 3,8% 3,3% 2,8% 2,5% 2,3%
6cm 1,6cm 3,4% 2,9% 2,5% 2,2% 2,0%
6cm 1,0cm 3,1% 2,7% 2,3% 2,1% 1,8%
 Ein solides Fundament
Eine große Platte aus 16mm Tischlerplatte diente als Grundlage für die Gleiswendel. Ich zeichnete die Innen- und Außenkante der Trassenbretter mit einem Schnurzirkel an und legte probehalber einen Schienenkreis aus. Der Kreis wurde in 45 Grad-Segmente unterteilt und danach entlang der Markierung ausgesägt. Eine Kante blieb gerade, dort wurde die Wendel später an der Zimmerwand befestigt. [1]
 
Entlang der 45 Grad-Markierungen bohrte ich dann 6mm-Löcher für die Gewindestangen, jeweils 1,5cm von der Außen- bzw. Innenkante entfernt. Hinweis: An dieser Stelle sollte man die Gewindestangen nach dem ersten paar Löcher probehalber einfügen und mit dem längsten verfügbaren Fahrzeug Testfahrten durchführen. Ich benutze dazu einen Lima-Silberling im Längenmaßstab 1/87.
 Das Trassenbrett
Das Trassenbrett entstand aus zwei 8mm dicken Holzstreifen. Auf der Unterseite nahm ich Preßspan, nach oben zum Gleis hingegen Sperrholz, da dort die Gleise festgeschraubt werden sollten. Mit Hilfe der fertig geschnittenen Grundplatte machte ich eine Pappschablone und sägte einige Stücke aus den Holzplatten aus. Schließlich baute ich 3/4-Kreise daraus zusammen und achtet darauf, daß die Fugen immer versetzt blieben, ähnlich einem Ziegelmauerwerk. Damit vermeidete ich Knicke zwischen den Übergängen.
 
Bei jedem der Teilkreise achtete ich darauf, daß am "unteren" Ende die obere Holzlage hervorschaute und am "oberen" Ende die untere Lage. Beim späteren Zusammenbau (von unten nach oben) überlappt der neue Abschnitt den vorherigen. Schließlich wurden die Teile später immer von oben eingesetzt! Wenn ein Teilkreis fertig war, befestigte ich das erste Stück des nächsten Abschnittes mit Schraubzwingen daran, um den richtigen Versatz zu finden. Genauigkeit ist nicht so wichtig (das ist wiederum wichtig für mich), kleine Lücken von 1-2mm zwischen den benachbarten Abschnitten sind nicht problematisch.
 
Nachdem alles fertig war, klemmte ich alles mit Schraubzwingenauf die Grundplatte und bohrte 6mm Löcher durch das ganze Paket, dabei benutzte ich die Löcher in der Grundplatte als Führung. Danach nahm ich wieder alles auseinander und bohrte die Löcher in den Trassenbrettern (nicht die in der Grundplatte!) auf 8mm auf, um später genug Spiel für die Feinjustage zu haben. Hinweis: Vor dem Bohren sollten die Teilstücke sorgfältig ausgerichtet werden!
 Aufwärts bitte!
Alle Gewindestangen wurden mit Unterlegscheiben und M6-Muttern an der Grundplatte befestigt. Dann fügte ich das erste Teilstück hinzu (dabei sollte man nicht vergessen, zuvor die nötige Anzahl Muttern und Scheiben einzulegen!) und schraubte die Gleise auf die Trasse. Das nächste Trassenbrett nebst nötigen Kleineisen wurde eingesetzt und am vorherigen festgeklebt. Sehr wichtg: Das Gleis wurde sorgfältig verlegt und Gleisstöße genau an den Segmentenden vermieden, ggfs. unter Einsatz von 1/2 Gleisstücken.
 
Nachdem alles montiert war, befestigte ich die Wendel am Anlagenunterbau. Dann war die Feinjustage an der Reihe. Mit Hilfe der Muttern war es einfach, die richtigen Höhen von unten nach oben einzustellen. Ich nutzte die Grundplatte als Referenz, notierte mir die richtigen Höhenmaße udn stellte sie mit Lineal und Schraubenschlüssel ein. Neben dem sauber verlegten Gleis ist auch eine gleichmäßie Steigung sehr wichtig für die Betriebssicherheit. Daher kontrollierte ich mehrfach, ob alle Abstände nun wirklich richtig waren.
 Der Abschluß
Natürlich blieb ein großes Loch in der Mitte der Wendel. Aus den Überresten der Grundplatte baute ich eine abnehmbare Abdeckplatte. Als Ummantelung plante ich Hartfaserplatten, welche sich genügend biegen lassen.
Bevor es jedoch dazu kam, wurde "Bad Knüsselsdorf" wegen Umzug abgebaut. Zu meiner Freude stellte sich jedoch heraus, daß die Wendel in ihrer ursprünglichen Form auch in die neue Anlage paßte und sofort eingebaut werden konnte.
End of train
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