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 Hochbunker für den Hochofen - Teil 1
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 Inspiration Duisburg Meiderich
Die Anregungen für meinen Hochbunker kommen aus dem Landschaftspark Duisburg-Meiderich. Dort wurden bei einem Abschnitt des Hochbunkers interessante Stützsäulen aus Beton gegossen, welche die ansonsten sehr wuchtige Erscheinung des Bunkers auflockern und den Eindruck eines ungefügen Betonklotzes vermeiden.
Der Bunker hat ein "Kellergeschoß", dort unten fuhr früher ein kleiner motorisierter Selbstentlader hin und her, die "Möllerbahn". Das Gleis der Möllerbahn führte an den Auslauföffnungen der Bunkertaschen entlang. Der Wagen wurde mit einem Gemisch aus Erz und Zuschlagstoffen, dem "Möller" beladen und fuhr dann zur Entladestelle, dort wurde der Möller in den Hunte des Schrägaufzugs gekippt. Heute steht die stillgelegte Möllerbahn teilweise unter Wasser. In Duisburg wurden die Koksbunker mit einer Kranbrücke entleert. Bei meinem Modell verzichte ich darauf und nehme einfach an, daß meine unsichtbare Möllerbahn auch den Koks transportiert.
 Unterbau für den Hochbunker
Die Hochbahn mündet in den Hochbunker. Die Gleise führen durch einen Übergangsbogen, die Weiche aus dem Tilligbausatz paßt sich der Krümmung geschmeidig an. Links neben dem Gleis ist die Fläche für ein kleines Stellwerk vorgesehen. Später wird die Werkbahn an dieser Stelle durch eine Unterführung unter der Hochbahn hindurchfahren.
Bei der Montage der Bunkertrasse sind die Lichtschalter im Weg. Sie werden kurzerhand an eine andere Stelle verlegt. Der eigentliche Bunker wird später in den offenen Kasten eingesetzt.
Die Entladegleise verlaufen auf stabilen Alu-Vierkantrohren über den Bunkertaschen. Sie liegen nur außen auf dem Holzkasten auf, der Hochbunker selbst wird keine tragende Funktion haben und muß daher nicht 100% akkurat werden.
 Pappkamerad und Papierbeton
Angeregt durch Peters Holbeck Resteverwertungen habe ich mir auch den Rest gegeben und aus den allgegenwärtigen amazon-Kartons einen Pappkameraden geschnitzt. Dieser Prototyp ist recht grob, gibt aber erste gute Vorstellung der späteren Wirkung.
Für den späteren seitlichen Anlagenabschluß wird erstmal ein Stück MDF an die Stelle gesetzt, an der später ein Spiegel montiert werden soll. Der Testbunker läßt erkennen, daß die Proportionen nicht stimmen: Die Stützabstände müssen kürzer und die Stützen selbst schmaler werden. Grundsätzlich sind die Abmessungen aber in Ordnung.
Meine ursprünglicher Plan bestand darin, den Bunker aus einen Polystyrol-Kern zu bauen und dann Beton-Gipsplatten aufzukleben. Aber diese Gipsplatten sind recht dick und für eine solche "Filigranarbeit" etwas derb. Erneut bewährt sich der Hinweis von Thomas Hense auf die Texturensammlung CG Textures, die bereits für den Bau eines Stellpultes hilfreich war.
Also ein paar Betonoberflächen ausgedruckt, zugeschnitten und auf den Pappbunker geklebt.Einige Versuche mit Photoshop sind nötig, um den passenden Farbton und den geeigneten Kontrast zu finden. Unterschiedliche Varianten werden testhalber aufgeklebt und bei Anlagenbeleuchtung beurteilt. Nur so läßt sich die Wirkung richtig einschätzen. Für die Ausdrucke verwendet ich kein Fotopapier, sondern 120g Schreibpapier mit normaler Oberfläche.
 Entladebrücken
Parallel zu den Tests mit Pappe und Papier beginne ich mit dem Bau der beiden Gleisbrücken. Sie sollen später auf der Konstruktion aufliegen und bündig mit den Trassen rechts und links des Bunkers abschließen. Ich orientiere mich an den alten Entladebrücken in Meiderich, die aus genieteten Teilen bestehen.
Im Modell verwende ich 00-Bauteile (SS57 Vari-Girder Plate Girder Panels) von Wills (UK), die ich zu diesem Zweck vor 5 Jahren in Birmingham auf der Warley Expo gekauft hatte - es geht nichts über vorausschauende Planung.
Leider war der Konstrukteur so ungeschickt, die Ausdrücker der Spritzgußform auf der "Sichtseite" einzubauen und diese kreisrunden Abdrücke müssen mühsam mit Sandpapier entfernt werden. Die Einzelteile werden zu Streifen aneinandergeklebt und dann mit Kraftkleber auf ein Alu-Vierkantrohr geklebt.
Die Alu-Vierkantrohre wurden bereits in die Anlage eingepaßt und Flexgleise darauf befestigt. Nun werden sie mit den Plastikteilen von Wills verkleidet. Weil nicht genug Teile vorhanden waren, habe ich aus Resten ein Stück modernisierte Ersatzbrücke in geschweißter Ausführung eingefügt. Der Gleiszwischenraum und die Seiten werden mit Riffelblech und zusätzlichen Blechstreifen aus dem Wills-Set verdeckt, die Schwellen sind dann kaum noch zu sehen.
Wenn man genau hinsieht, dann ist die Konstruktion nicht 100% stimmig, die Blechträger müssten eigentlich genau unter den Schienenprofilen verlaufen, um die Last aufzunehmen. Ein Kompromiß, der den bereits vorhandenen Vierkantrohren geschuldet ist. Im Vergleich mit dem Original fällt auf, daß dort die Gleisprofile deutlich näher an der Außenkante der Brücke liegen. Außerdem läßt sich erkennen, daß die Bunkertaschen kürzer als beim Papp-Prototypen sind.
 Selitron-Bauweise
Der Bunker wird nicht aus Pappe oder Polystyrol gebaut, sondern aus extrudiertem PS-Hartschaum. Dieses Material ist als große 3mm-Platte im Baumarkt erhältlich, zum Beispiel "bei OBI" unter dem Namen Selitron. Ein Paket mit 10 Platten (60x80cm) kostet um die 13 Euro und reicht locker für den gesamten Hochbunker.
Warum 3mm Hartschaum? Die Wellpappe ist recht stabil, aber das luftige Innenleben hat mir beim Zuschneiden Probleme gemacht. Das Cuttermesser rutscht schnell mal an den Verstärkungswellen ab. Und nachträgliche Korrekturen um wenige Millimeter sind auch schwer, weil das "Deckblatt" wegknickt. Unschön sind auch die Stirnflächen, die wenig Auflage für Kleber bieten und mir auch nicht als optimaler Untergrund für den Papierbeton erscheinen. PS-Platten wären auch eine Möglichkeit, aber die Konstruktion braucht ordentliche Wandstärke, also entweder 3mm PS doppellagig oder hohle "Wandkästen". In beiden Fällen aufwendig, sei es beim Zuschnitt, sei es bei der Passung.
Ich mache mir noch eine Schnittzeichnung mit CADrail und schneide die ersten Teile mit Stahllineal und Geodreieck aus. Diese Teile fallen sehr unterschiedlich aus und sind für eine kleine Serienfertigung ungeeignet. Also bauen ich einige Schablonen aus Polystyrol. Die Zwischenwände des Bunkers bestehen aus 5 Lagen zu je 3mm. Die beiden äußeren Lagen haben Nuten, in die später die Längswände der Bunkertaschen eingeklebt werden.
Erste Klebeversuche mit UHU "Flinke Flasche" sind ein Reinfall, bei den großflächigen Wandteilen dauert es sehr lange, bis der Kleber abbindet. Deshalb bin ich den Empfehlungen auf der Selitron-Verpackung gefolgt und verwende ich Ovalit S von Henkel, eigentlich für "schwerste" Wandbehänge gedacht. Diese Kleber hat die Konsistenz von Nutella und läßt sich gut verarbeiten, hohe Anfangshaftung, aber trotzdem korrigierbar. Probehalber wird ein erster Bunkerabschnitt zusammengebaut, um zu kontrollieren, ob das Schnittmuster in Ordnung ist.
Der Bunker entsteht dann mit einer Taschenlänge von 15cm, weil das bei einer vorgegebenen Gesamtlänge von 90cm gut passt und in etwas einem OOt-Wagen entspricht. Weitere Mittelstützen ohne Bunkerwand habe ich ergänzt, um die seitlichen Proportionen (Säulenhöhe zu Säulenabstand) an das Vorbild in Meiderich anzugleichen.
Nicht vorbildlich sind die leicht vorspringenden Säulenvorderseiten, bei Original liegt alles in einer vertikalen Ebene. Die aufgeklebten Streifen dabei, unsaubere Schnittkanten zu verstecken und lockern die Fläche auf. Die ganze Angelegenheit gelingt sehr rechtwinklig, die Bauweise mit den einzelnen Lagen führt fast automatisch zu einer guten Maßhaltigkeit. Auch der Kleber bewährt sich und eignet sich sogar zum Verspachteln von Lücken.
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Zugschluß
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