Kategorien
 
 Spezialwagen der Phoenix Hüttenbahn
Die Werkbahn eines Hüttenbetriebs benötigt einen speziellen Fuhrpark. Neben den üblichen Selbstentladern für Massengut sowie Schwerlastwagen für den Abtransport des produzierten Halbzeugs werden besonders werksintern Spezialwagen für den Transport schwerer und sehr heißer Güter benötigt. In den letzten 10-15 Jahren ist das entsprechende Angebot an H0-Modellen ausgebaut worden, aber es gibt immer noch viel Raum für Selbstbau.
 Schlackenwagen
Die Schlackenwagen werden verwendet, um flüssige Schlacke vom Hochofen, aber auch vom Konverter zum Schlackenbeet zu transportieren. Dort wird die flüssige Schlacke abgekippt und erstarren gelassen. Schlacke ist ein vergleichsweise leichtes Material, ein Wagen fasst um die 30-40 Tonnen, zwei Drehgestelle reichen dann. Der Aufbau ist einfach und die Wagen sind meist recht ramponiert, da sie beim Abstich der Schlacke gerne unter dem Schlackestrahl vorgezogen werden. Auf normalen Bahnstrecken haben diese Wagen nichts zu suchen.
 
Meine Modelle sind aus Walthers-Bausätzen entstanden. Zur Anpassung an europäische Verhältnisse haben sie Puffer und ein Dach über der Bühne erhalten. Ansonsten sind sie aber ohne konkretes Vorbild. Eine Beschreibung der Umbauten findet sich hier: Link zum Beitrag.
 
 Offener Roheisen-Pfannenwagen
Für den werksinterne Transport von Roheisen werden offene Pfannen verwendet. Bei den kurzen Entfernungen stört der Wärmeverlust durch die offene Pfanne wenig und am Zielort kann die Pfanne einfach mit dem Hallenkran herausgehoben werden. Die Pfanne ist feuerfest ausgemauert, sie fasst typisch 70t Roheisen.
 
Die Modelle sind alte Ausführungen von Trix, die Ende der 60er Jahre auf den Markt gekommen sind. Sie stellen Roheisenwagen des Herstellers "Jünkerath", später "Demag" dar, sind aber sehr vereinfacht. Daher haben die Wagen nachträglich Rangiererbühnen erhalten. Eine Beschreibung der Umbauten und Verfeinerung findet sich hier: Link zum Beitrag.
 
 Torpedo-Pfannenwagen
Torpedo-Pfannenwagen haben gegenüber offenen Pfannenwagen mehr Tragfähigkeit und weniger Wärmeverlust. Viele Ausführungen sind auch für den Einsatz auf normalen Bahnstrecken geeeignet. Kleine Wagen beginnen mit 8-10 Achsen und können 100t Roheisen fassen.
 
Das Lima-Modell orientiert sich an einem Vorbild, das in Frankreich und Belgien anzutreffen war/ist. Das Modell stammt aus den 70ern, ich erinnere mich gut an einen Mitschüler, bei dem das leichte Modell auf den engen Märklinradien häufig entgleiste. Fast unverändert mehrfach wiederaufgelegt, ist der preiswerte Wagen eine gute Basis für Umbauten und Verfeinerungen. Die kompakten Abmessungen machen diese Bauform attraktiv für den Anlagenbetrieb.
 
 Großer Torpedo-Pfannenwagen
Bei Eisenbahn und Häfen sind 16-achsige Torpedopfannen im Binnenverkehr im Einsatz. Ohne Rücksicht auf Lichtfreiräume und Streckenklassen der normalen Bahnstrecken kann ein Gesamtgewicht von bis zu 600t pro Wagen gefahren werden. Die Kapazätät beträgt dabei rund 260-300t Roheisen. Solche Wagen sind notwendig, um die Produktion der großen Hochöfen von bis zu 12.000t pro Tag abtransportieren zu können.
 
Das Trix-Modell war bei seinem Erscheinen vor rund 10 Jahren eine echte Überraschung: Ausgezeichnete Detaillierung, trotz der Abmessungen tolle Fahreigenschaften. Mit rund 40cm Länge eigentlich zu lang für die Radien einer Werkbahn, aber das Fahrwerk ist gut konstruiert und läuft geschmeidig durch die Kurven. Auch auf Steigungen bereiten die Wagen trotz ihres Gewichts keine Probleme. Ich habe die Modelle gealtert und mit einer Innenbeleuchtung versehen. Zusätzlich habe ich RP25-Radsätze eingebaut. Aber mehr gibt es bei diesen schönen Wagen nicht zu tun. Eine Beschreibung der Alterung und der Beleuchtung findet sich hier: Link zum Beitrag.
 Sehr großer Torpedo-Pfannenwagen
Für den Transport über DB-Strecken wurden für Krupp große Torpedopfannen mit 18 Achsen konstruiert. Die Anzahl der Achsen ist notwenig, um die Achslast auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Trotz der großen Abmessungen beträgt die Kapazität "nur" 130t Roheisen bei einem Gesamtgewicht von rund 360t. Das ist mal gut die Hälfte der 16-achsigen Pfannen für den Binnenverkehr. Viele Jahre waren diese Wagen im Ruhrgebiet zu sehen, sie transportierten flüssiges Roheisen von den Hochofen zu den Standorten für die Weiterverarbeitung. Im Zuge der Stahl-Konzentration und der ThyssenKrupp-Fusion verloren Werke ihre "Flüssigphase" vor Ort und mussten mit der Bahn versorgt werden. Das waren kostspielige Angelegenheit und ich vermute, daß diese Transporte heute im Ruhrgebiet Geschichte geworden sind.
 
Das Märklinmodell war seinerzeit das erste ernstzunehmende Modell einer Torpedopfanne. Natürlich typisch Märklin musste es "der Längste" sein und mir war das Modell zu sperrig. Es gab aber dann die Gelegenheit, von einem befreundeten Modellbahner zwei gealterte Exemplare zu übernehmen. Leider ist die Anlagentauglichkeit nicht sehr ausgeprägt. Auf den Steigungsstrecken machen sich die Drehgestelle und die schlechte Achslagerung unschön bemerkbar - kein Vergleich zu den Modellen nach E+H-Vorbild - und ich habe die Wagen mit Bedauern ausgemustert. Vielleicht unternehme ich nochmal einen Versuch, zumindest ein Exemplar einsatzbereit zu machen.
 Kokillenwagen
Kokillen sind Gußformen, die zur Herstellung von Brammen verwendet wurden. In modernen Stahlwerken wird heute das Stranggußverfahren angewendet, so auch in den Phoenix Hüttenwerken. Um die gefüllten Kokillen zu transportieren, wurden einfache Plattformwagen verwendet, die meist nur in der Gießhalle und in der unmittelbaren Umgebung unterwegs waren - eigentlich keine Eisenbahnwagen im klassischen Sinne.
 
Die Modelle sind aus einem Rix-Bausatz entstanden und entsprechen keinem mir bekannten Vorbild. Die Wagen dienen als Dekoration und nehmen nicht am Fahrbetrieb teil. Eine Beschreibung der Alterung findet sich hier: Link zum Beitrag.
 
 Bremswagen
In Stahlwerken rangieren teilweise recht kleine Dreiachser große Zuglasten, und insbesondere Roheisen- und Schlackenwagen sind oft ungebremst - Bremsanlagen sind wohl zu empfindlich für die Hitze und den Dreck, den diese Wagen ausgesetzt sind. Daher werden Bremswagen eingesetzt. Sie sind mit Ballast beladen, zum Beispiel Sand, Schrott oder eine alte Kokille. Außerdem haben sie eine Bremsausrüstung und unterstützen damit die Lok. Da sie meist angekuppelt bleiben, haben sie oft eine Rangiererbühne und eine Stirnbeleuchtung. Nebenbei dienen sie auch als Schutzwagen, damit die Lok nicht ganz so nahe an den Abstich heranfahren muss.
 
Bremswagen sind die idealen Geisterwagen für Rangierloks mit Problemen bei der Stromabnahme. Daher plane ich den Selbstbau von 1-2 Bremswagen aus alten Modellen und Resten. Da diese Wagen beim Vorbild ebenfalls per "kitbashing" entstanden sind, brauche ich mir keine Gedanken zu machen, ob es einen genau passenden Vorbildwagen gegeben hat. Aber natürlich orientiere ich mich ungefähr an der Realität.
 
 Zwischenwagen
Beim Transport der schweren Krupp-Torpedopfannen sind Zwischenwagen nötig, um die maximal erlaubte Meterlast der DB-Strecken nicht zu überschreiten, besonders bei Brückenbauten. Zwischen Lok und Pfannen als auch zwischen den einzelnen Pfannen werden vorhandene Güterwagen eingestellt - manchmal zweiachsige E-Wagen, aber auch Eaos-Typen oder vierachsige Selbstentlader. Bevorzugt Exemplare, die zu keinem anderen Zweck mehr zu gebrauchen waren. Zwischenwagen bedeuten zusätzliche Rangieraufgaben, da sie erst nach der Befüllung der Pfannenwagen in den Zugverband eingegliedert werden. Das macht diese Wagen für den Modellbahnbetrieb besonders attraktiv.
 
Meine Zwischenwagen sind zwei Roco-Modelle nach ÖBB-Vorbild, die nicht auf den ersten Blick nach Bundesbahn. Sie müssen noch ein wenig abgewirtschaftet und umbeschriftet werden, ansonsten sind keine Umbauten nötig.
 Steuerwagen
Entlang der A42 konnte ich oft Pendelzüge der RAG sehen, die an einem Ende mit einem "Steuerwagen" ausgestattet waren, damit man sich das Umsetzen der Lok sparen konnte. Der Steuerwagen diente dem Wetterschutz des Rangierlokführers, er steuerte die Lok per Funkfernsteuerung ("Bauchladen"). Der Steuerwagen entstand aus einem alten Führerhaus und einem Selbstentlader-Fahrgestell, die schrägen Entladerutschen sind gut zu erkennen.
 
Als Fahrgestell habe ich zwei überzählige OOt-Wagen von Roco ausgeschlachtet und gekürzt. Von den Drehgestellen erhoffe ich mir eine gute Stromabnahme für das Spitzen- und Schlußsignal des Steuerwagens. Ein V100-Führerhaus und ein V60-Führerhaus haben sich auch schon eingefunden.
 Bereisungswagen
Für Streckenbereisungen und Sondertouren hält E+H einen gut erhaltenen, dreiachsigen Länderbahnwagen vor. Dies habe ich als Anregung genommen, einen gebrauchten Fleischmann-Wagen umzulackieren und mit einer Beleuchtung auszustatten. Dabei habe ich die mittlere Achse entfernt. Der Wagen steht meist dekorativ in der Gegend herum, er kann aber auch als Steuerwagen verwendet werden.
 
Eine Beschreibung der Modellbeleuchtung findet sich hier: Link zum Beitrag.
Zugschluß
Neue Beiträge
15.11.17: Werkbahn BW
15.11.17: EH Zugverkehr
15.11.17: HKM Besuch
15.11.17: Landschaftspark
15.11.17: Spezialwagen
15.04.17: Tagebuch 2017