PIKO 212 161-4 wird patiniert - Irrungen und Wirrungen
Die PIKO 212 war an der Reihe, eine Patinierung zu erhalten. Diesmal habe ich die einzelnen Arbeitsschritte möglichst gut dokumentiert. Wie bei fast allen meinen Patinierungen
war auch hier der Weg nicht einfach geradeaus. Vielmehr gab es unterwegs einige Irrungen und Wirrungen, das Modell ist auch anders ausgefallen als ursprünglich gedacht.
Das ist ein Zeichen dafür, daß einfache Rezepte für eine gute Patinierung nur schwierig festzulegen sind.
Vorbildliches
Jedes Patinierungsprojekt beginne ich damit, einige geeignete Vorbildfotos herauszusuchen und beim nächsten Drogeriemarkt möglichst im Format 15 x 20 cm
auszudrucken. Diese Fotos verwende ich dann als Vorlage direkt am Bastelplatz. Mit digitalen Bilder, z.B. auf einem Tablet habe ich mich noch nicht anfreunden können.
Diesmal habe ich ein eigenes Foto von 212 316-4, entstanden Mitte der 80er in Essen-Steele als primäre Grundlage - sozusagen als Masterfoto - auswählen können. Zu den weiteren
Bildern zählt u.a. die 212 359-4 in Alzey 1986 von Günter Tscharn, er hat freundlicherweiser der Verwendung hier zugestimmt. Problematisch sind Bilder
vom Dach, da gibt es notorisch wenig Material. Auch da bin ich fündig geworden, habe aber leider keinen Kontakt zur Rückfrage ermitteln können.
Aufbau bzw. Lokkasten
Vor der Patinierung entfernte ich empfindliche Teile wie Fenster und Beleuchtung. Bei PIKO-Modelle sind diese Teile leider alle verklebt, daher musste ich hier Fenster und
Lampen zunächst maskieren. Außen verwendete ich flüssigen Maskierfilm, die Innenseite der Fenster habe ich mit Tamiya Maskierband geschützt. Im ersten Schritt erhielten alle Teile
eine Mattlackierung mit Klarlack von Bergswerk. Klarlack von Gunze-Sangyo aka Hobby Color ist ebenfalls gut geeignet.
Die 212 sollte ausgebleichten Lack bekommen. Für einen sehr gleichmäßigen, flächigen Effekt nehme ich Klarlack mit einer Spur Weiß. Aber hier sollte der Effekt ungleichmäßig
werden und Verlaufsspuren aufweisen. Daher habe ich weiße Ölfarbe von 502 Abteilung mit einem Zahnstocher auf die Seiten des Lokkastens als kleine Pünktchen aufgebracht. Dann habe ich die Ölfarbe mit einem
recht trockenen Pinsel flächig verteilt. Der wichtigste Schritt war, im Anschluss mit einem Terpentin-feuchten Pinsel nachzu 99 % der Ölfarbe wieder zu entfernen. Es bleiben
nur wenige Spuren übrig. Tatsächlich habe ich hier mehrfach nachgearbeitet, das Foto oben zeigt einen Zwischenstand.
Nach 24 h Trockenpause habe ich die Bleichschicht mit Mattlack gespritzt, damit die nächsten Arbeitsschritte daran nichts mehr verändern. Mit Dark Wash von
Ammo habe ich dann per Pin Wash-Verfahren die Ecken und Kanten betont. Dazu habe ich kleine Wash-Mengen mit einem feinen Pinsel in den eingravierten Fugen und Ritzen
fließen lassen. Das lässt viele Details deutlicher hervortreten, das Modell wirkt knackiger. Der Terpentinpinsel diente bei diesem Schritt dazu, übergelaufene Farbe zu entfernen, damit saubere Kanten entstehen.
Nach der nächsten Schutzschicht aus Mattlack waren Rost- und Staubspuren
an der Reihe. Dazu habe ich einen sog. Oilbrusher von Ammo verwendet. Kleine Mengen rostbrauner Ölfarbe aus der Tube oder etwas geeigneter Enamellack hätten auch
funktioniert. Wie vor wurde auch dann die Farbe größtenteils mit dem Terpentinpinsel entfernt und weiche Übergänge geschaffen. Der vom Pin-Wash zuvor entstandene etwas
harte Look wird dadurch gemildert. In dieser Phase habe ich mehrfach nachgearbeitet und Rostfarbe behutsam mit dem Pinsel reduziert, damit die Lok nicht wie ein Schrotthaufen aussieht.
Für das Dach die Oberseite waren unterschiedliche Methoden nötig. Der Schmutz auf der Oberseite ist mit Soot Wash von Ammo entstanden, auch hier wieder mit dem
feuchten Terpentinpinsel nachgearbeitet. Damit waren Ecken und Kanten sowie die Lüftergitter versorgt. Mit einem Shader Ash Black von Ammo habe ich dann vorsichtig und dosiert Staubflächen
auf den Vorbauten, aber besonders auf dem Dach aufgebracht. Der Shader stammt aus einer Sortimentspackung und ist nicht mein Favorit - er muss noch reichlich mit Wasser verdünnt werden.
Ich hätte ansonsten eine lasierende Mischung aus Klarlack und Schwarz verwendet. Bei diesen Arbeiten mit Acrylfarben ist Umsicht geboten, anders als bei Ölfarben ist keine
Korrektur möglich. Schmierig glänzende Rußspuren direkt an den Auspufföffnungen habe ich dann mit Soot von Gunze / Hobby Color gesprtizt. Damit war der Lokkasten fertig.
Das Chassis hat ebenfalls einen Überzug mit Mattlack erhalten. Im Rahmenbereich oberhalb der Drehgestelle und auf dem Umlauf habe ich direkt im Anschluss
Staubspuren mit einem Mix aus Klarlack und Tamiya Buff aufgebracht. Mit dem schon beim Gehäuse verwendeten Oilbrusher habe ich dann Gammelspuren am späteren Übergang zum
Aufbau angebracht. Im letzten Schritt kam etwas Engine Oil von ak-interactive auf den Dieseltank, um Verlaufsspuren darzustellen. Und die Puffer bekamen ihr Fett weg mit
Gunze / Hobby Color Oil. Damit war der Rahmen bereits fertig.
Die Inneneinrichtung des Führerstands habe ich ein wenig angepinselt und dazu die erstbeste Farbe verwendet. Inspiration gaben einige Führerstandfotos aus einem EJ-Sonderheft
zur V 100. Das fahle Grün entstand mit einer unaussprechlichen Grundierung, die ich mal ausprobiert hatte. Der Boden wurde mattschwarz, die Ablagefläche oberhalb der Konsolen
mit Tamiya German Grey angestrichen. Ein paar Griffe und Schalter habe ich noch mit spitzem Pinsel und schwarzer Farbe hervorgehoben, dann durfte der TF wieder Platz nehmen.
Das separat montierte Lüfterrad habe ich kurzerhand mit Tamiya German Grey grundiert und anschließend Tamiya Hull Red darüber genebelt. Den Abschluss der Behandlung bildete
Soot Wash von Ammo, um die Verschmutzung in der Tiefe darzustellen. Wie bei allen Enamel-Washs habe ich auch hier mit dem Terpentinpinsel nachgearbeitet..
Radsätze und Drehgestelle habe ich zunächst mit Vallejo Primer grundiert, damit die Metalloberflächen der Räder und das sehr glatte Plastik der Drehgestelle den
nächsten Farbschichten etwas Halt bieten. Als Grundfarbe habe ich Tamiya Buff aufgespritzt. An dieser Stelle war ich zunächst zufrienden, denn die Farbgebung entsprach weitgehend
meinem Vorbildfoto aus Essen-Steele. Auf den zweiten Blick erinnerten mich die Drehgestelle aber an einen US-Tank in Wüstenlackierung. Ich habe mir daher das nächste passende Foto der 212 227-8
als Vorlage genommen und die Drehgestelle mit einem Mix aus Tamiya Buff und Tamiya Hull Red für die dunkleren Bereiche nachgearbeitet. Auch hier erschien mir das Foto
anschließend gut getroffen. Bei der Stellprobe habe ich jedoch festgestellt, daß Rahmen und Drehgestelle farblich in keiner Weise zusammenpassten.
Für den dritten Anlauf habe ich mich an dem Foto von 212 359-4 orientiert. Als Basis habe ich Tamiya German Grey verwendet - das hätte ich gleich machen sollen. Im mittleren
Bereich habe ich die Federpakete behutsam mit etwas Schwarz per Airbrush abgedunkelt. Nachdem die Acyrlfarbe durchgetrocknet war, habe ich mit Streaking Rust Effects von Ammo
Bremsstaub und Flugrost angedeutet, auch hier wieder Nacharbeit mit dem Terpentin-Pinsel. Das hat aber leider wenig Sichtbarkeit gebracht. Also Ölfarbe Light Mud von 502
Abteilung mit dem Zahnstocher aufgebracht, mit trockenem Pinsel verteilt und mit Terpentinpinsel nachgearbeitet. Als ich mit dem Ergebnis zufrieden war, habe ich die Schicht
mit Mattlack versiegelt.
Um erneut den Flugrost darzustellen, habe ich etwas Ölfarbe Basic Earth von 502 Abteilung sowie wieder Streaking Rust Effect eingesetzt. Diesmal habe ich die Ölfarbe mit Terpentin zu
einem Wash verdünnt und flächig aufgebracht. Mit Rust Effects habe ich dann für etwas hellere Rostspuren um die Achslagerdeckel und an der Aufhängung gesorgt. Ganz zum Schluss
hat dann Engine Grime von ak-interactive für ein paar schmierige Stellen an den Drehgestellen gesorgt, zum Beispiel an den Federpaketen. Dann hatte ich keine Lust mehr und das
Drehgestell war fertig.
Ganz zum Schluss habe ich noch die Radsätze etwas farblich angepasst. Dazu habe ich den inneren Bereich der Radscheiben mit etwas Tamiya German Grey lasierend abgedunkelt. Im Anschluss
konnte ich 212 161-4 montieren und in Betrieb nehmen.